Natura 2000 – Steiermark

Webseite der Gebietsbetreuer der steirischen Europaschutzgebiete

Header

Nr. 22 Oberlauf der Pinka

Größe: 37,2 ha

Bezirke des Natura 2000-Gebietes: Hartberg-Fürstenfeld

Gemeinden des Natura 2000-Gebietes: Pinggau

 

Der Ursprung

Mit etwas unter 40 ha Größe ist das nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie ausgewiesene Gebiet „Oberlauf der Pinka“ eines der kleinsten Europaschutzgebiete Steiermarks. Es liegt vollständig innerhalb der Gemeinde Pinggau und umfasst den Lauf des Gebirgsbaches Pinka mit einem wenige Meter breiten Randstreifen. Die Pinka entspringt an der Südostflanke des Niederwechsels in knapp 1500 m Seehöhe, allerdings erstreckt sich das Schutzgebiet selbst etwas nördlich von Pinggau beginnend stromaufwärts bis zum Zusammenfluss der Pinka mit ihrem größten Zubringer in diesem Gebiet, nämlich dem Schwarzenbach und folgt dann diesem (dem Schwarzenbach) bis zum Quellaustritt etwas unterhalb des so genannten Irrbühels. Begründbar ist dies damit, da der Schwarzenbach (sowie in weiterer Folge die Pinka bis Höhe Pichlhöf) keine Verbauungen aufweist und der Bach somit weitgehend naturnah erhalten ist. Morphologie, Dynamik sowie Umlandausprägung entsprechen weitgehend dem ursprünglichen Flusstyp.

Blick übers Pinkatal bei Baumgarten

Blick übers Pinkatal bei Baumgarten (Foto Trummer)

Oberes Pinkatal

Oberes Pinkatal auf Höhe Rosenbichl (Foto Trummer)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die geschützten Lebensräume

Die Wasserwelle der Pinka bzw. des Schwarzenbaches hat sich tief ins Wechselmassiv, das hier aus Gneisen und Schiefern gebildet wird eingeschnitten, sodass ein Kerbtal entstand. An den Ufern ist daher nur ein schmales Band an „Weichholzauwäldern“ und „Hochstaudenfluren“ ausgebildet, welche dafür aber in einem über weite Strecken naturnahen Zustand sind und als Schutzgüter ausgewiesen wurden. Weitere EU-weite Schutzgüter, die sich im Gebiet befinden sind „natürliche, bodensaure Fichtenwälder“ sowie „Schlucht- und Hangmischwälder“. Bestimmende Baumarten in den Schluchtwäldern sind der Bergahorn (Acer pseudoplatanus) und die Esche (Fraxinus excelsior).

Mondviole & Straußenfarn

Grauerlenauwald mit Mondviole & Straußenfarn (Foto Trummer)

Ufervegetation - Hochstauden im Frühjahr

Ufervegetation – Hochstauden im Frühjahr (Foto Trummer)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blütenpracht in Auen-, Hang-, und Schluchtwäldern

Die Weichholzauenwälder werden in der Baumschicht von Grauerlen (Alnus incana) dominiert, daneben gesellen sich noch häufig Weiden-Arten und die Esche. Besonders attraktiv zeigen sich die Grauerlen-Auen im zeitigen Frühjahr, wenn an manchen Stellen Tausende von Frühlingsknotenblumen (Leucojum vernum) den Waldboden überziehen und im späteren Frühjahr, etwa Anfang Mai, wenn hellrosafarbene Blüten der Mondviole und hellblaue Blüten des Wald-Vergissmeinicht (Myosotis sylvatica) den Wald mit bunten Tupfern versehen.

Mondviole

Blüten der Mondviole (Foto Trummer)

Wald-Vergissmeinnicht

Wald-Vergissmeinnicht (Foto Trummer)

 

 

 

 

 

 

 

 

Blütenpracht am Gewässerrand

Die Hochstaudenfluren setzen sich im Gebiet überwiegend aus Vertretern der Doldenblütler (Apiaceen) und Korbblütler (Asteraceen) zusammen. Viele Arten der Korbblütler werden umganssprachlich als „Disteln“ bezeichnet und eine, die typisch für den Oberlauf der Pinka ist, ist die Kletten-Ringdistel (Carduus personata). Einige Arten der Hochstaudenfluren im Oberen Pinkatal gehören wohl zu den ahnsehnlichsten Wildpflanzen der heimischen Flora, wie z. B. die Österreichische Gemswurz (Doronicum austriacum) oder das Bach-Aschenkraut (Tephroseris crispa). Ungemach droht den Hochstaudenfluren in den letzten Jahren leider von einigen Arten, die bei uns ursprünglich nicht heimisch sind aber eingebürgert wurden (Neophyten) und sich nun rasant ausbreiten. Noch sind diese Arten (z. B. das Drüsige Springkraut (Impatien glandulifera) oder der Japanische Knöterich (Fallopia japonica) im Europaschutzgebiet relativ selten, aber im Raum um Pinggau seit einigen Jahren schon bestandsbildend.

Kletten-Ringdistel

Kletten-Ringdistel (Foto Trummer)

Bach-Aschenkraut

Bach-Aschenkraut (Foto Trummer)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Feuchtgebiete

Wo sich im Oberlauf der Pinka eine schmale Talsohle entwickelt hat werden einige Bereiche gemäht und so gehölzfrei gehalten. Hier finden sich teils sehr artenreiche Wiesen, die immer wieder feuchte und nasse Stellen aufweisen. In den ungedüngten Wiesen gedeihen Orchideen wie das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) und es können viele Schmetterlingsarten beobachtet werden. Relativ häufig anzutreffen ist z. B. der Braunfleckige Perlmutterfalter (Clossiana selene), der in großen Teilen der Alpen und des Alpenvorlandes bereits rar ist. Gelegentlich stößt man sogar auf anmoorige Stellen. Dort konnte sich im Oberen Pinktal eine gleichermaßen seltene wie attraktive Pflanzenart halten – der Fieberklee (Menyanthes trifoliata), welcher in früheren Zeiten (als er noch häufiger anzutreffen war) als geschätzte Heilpflanze Zuspruch und Anwendung fand.

Fieberklee

Fieberklee (Foto Trummer)

Braunfleckiger Perlmutterfalter

Braunfleckiger Perlmutterfalter (Foto Trummer)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es kreucht und fleucht

In der Natur-WG des oberen Pinkatales finden sich natürlich auch zahlreiche Tierarten wieder. Für das Gebiet als Schutzgut ausgewiesen ist z. B. eine Fischart, die so gar nicht mit dem Bild einer Gebirgsforelle, die man eher mit dem Gewässer hier verbinden würde übereinstimmt – die Koppe (oder auch Groppe, Cottus gobio). Sie ist ein nachtaktiver Grundfisch, mit einem großen, breiten Kopf und schuppenloser Haut. Die Koppe schwimmt nicht im freien Wasser, ihre Schwimmblase ist zurückgebildet, stattdessen bewegt sie sich mit gespreizten Brustflossen ruckartig über den Boden. Ein weiteres typisches Tier im Gebiet ist der Feuersalamander (Salamandra salamandra), der bei schlechtem Wetter auf der Jagd nach Schnecken und Würmern ist. Seine Giftigkeit (Giftdrüsen – v. a. im Bereich der Ohröffnungen) signalisiert diese Art durch die auffallende gelbe Warnfarbe. Natürlich sind auch Vogelarten im Gebiet anzutreffen, so wird das Obere Pinktal regelmäßig vom Schwarzstorch als Nahrungsbiotop genutzt.

Feuersalamander

Feuersalamander (Foto Trummer)

Koppe

Koppe (Foto Trummer)

 

 

 

 

 

 

 

 

Kinder des Lichtes & Waldes

Lockere, lichtdurchflutete Waldbereiche durchmischt mit einer blütenreichen Wiesen- und Hochstaudenvegetation sind Lebensräume, die eine enorme Artenvielfalt hervorbringen können. Leider gingen in den letzten Jahrzehnten viele dieser wertvollen Biotope verloren. Einerseits durch die Hochwaldwirtschaft, v. a. mit Fichte, die mangels Licht kaum blütenreiche Vegetation zulassen, andererseits durch Auflassen und Aufforstung von bachnahen, meist feuchten oder nassen, extensiven Talwiesen. Dadurch landeten in den letzten Jahren leider viele unserer schönsten Tagfalterarten auf der Roten Liste, die gerade diese Art von Biotopen für ihre Fortpflanzung benötigen. An der Oberen Pinka gibt es noch Stellen, die dem hohen Biotopanspruch von diesen Arten gerecht werden und so kann man mit etwas Glück hier noch einige Exemplare dieser seltenen und attraktiven Arten, wie der Große Schillerfalter (Apatura iris), der Große Eisvogel (Limenitis populi) oder den Trauermantel (Nymphalis antiopa) bewundern.

Trauermantel

Trauermantel (Foto Trummer)

Großer Schillerfalter

Großer Schillerfalter (Foto Trummer)