Natura 2000 – Steiermark

Webseite der Gebietsbetreuer der steirischen Europaschutzgebiete

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Nr. 15 Steirische Grenzmur mit Gamlitzbach und Gnasbach

Größe: 2.159 ha

Bezirke des Natura 2000-Gebietes: Südoststeiermark

Gemeinden des Natura 2000-Gebietes: Gamlitz, Ehrenhausen, Straß in Steiermark, Spielfeld, Grabersdorf, Trössing, Dietersdorf am Gnasbach, Straden, Deutsch Goritz, Gosdorf, Murfeld, Mureck, Halbenrain, Radkersburg Umgebung, Bad Radkersburg

 

Lage des Europaschutzgebietes Nr. 15 in der Steiermark

Gemeinden mit Anteil am Europaschutzgebiet Nr. 15

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Größe: 2238 ha

Betroffene Bezirke: Radkersburg, Leibnitz, Feldbach

Betroffene Gemeinden: Bad Radkersburg, Dietersdorf am Gnasbach, Deutsch Goritz, Ehrenhausen, Gamlitz, Gosdorf, Grabersdorf, Halbenrain, Mureck, Murfeld, Radkersburg Umgebung, Spielfeld, Straden, Straß in Steiermark, Trössing

Gebietsbetreuung: Dr. Andreas Breuss
Email:  a-d.breuss@aon.at
Telefon:  0664/ 1562242

 

Die Mur bildet zwischen Spielfeld und Radkersburg die Südgrenze der Steiermark zu Slowenien. Der sie begleitende Auwald entlang dieses ca. 33 km langen Flussabschnittes ist der zweitgrößte zusammenhängende Auwald Österreichs und zählt zu den artenreichsten Lebensräumen der Steiermark. Flüsse und ihre Auen sind höchst dynamische Lebensräume. So war die Grenzmur bis zu ihrer Regulierung Ende des 19. Jahrhunderts ein typischer Mittellauffluss mit mehreren Hauptarmen und Seitenarmen, die nach jedem Hochwasser ihren Lauf verändern konnten. Das Wasser formte und prägte die Landschaft. Zerstörung und neues Entstehen kennzeichneten diesen Lebensraum. Vor allem diese Dynamik und das dadurch bedingte kleinräumige Nebeneinander von unterschiedlichen Lebensräumen (Flussbett, Steilufer, Schotterbänke und Inseln, Tümpel, Auwälder und Wiesen) sind die Quelle des außerordentlichen Artenreichtums der Auen. Durch die Regulierung (1874 bis 1891) wurde der einst verzweigte Fluss in ein gerades Bett gebannt, das mit ca. 78 m nur mehr ein Fünftel der ursprünglichen Breite hat.

 

Verzweigter Murverlauf bei Radkersburg (Josephinische Landesaufnahme 1780)

Bauplan der Hohenbrugger Regulierung (1890)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ehemaligen Seitenarme sind heute durch Dämme vom Fluss abgetrennt. Man findet ihre Spuren aber in Form von zahlreichen Gräben, sogenannten Lahnen oder Altarmen, die den Auwald durchziehen. Hier finden unzählige Amphibien, wie Moorfrosch oder Kammmolch geeignete Laichbiotope. Durch die fehlende Anbindung an den Fluss und seine Hochwässer verlanden diese Altarme zusehends und drohen letztlich ganz zu verschwinden. Durch Revitalisierungsprojekte wie dem InterREG-Projekt „Trummerlahn“ wird dem entgegen gewirkt.  Hier wurden, in Kooperation von Naturschutzabteilung und Wasserwirtschaft des Landes Steiermark, Ablagerungen punktuell ausgeräumt und die Lahn wieder an das Gewässernetz angebunden.

 

Revitalisierungsprojekt Trummerlahn

Beim Trockenfallen der Altarme vergräbt sich der Schlammpeitzger im schlammigen Gewässergrund und kann durch Darmatmung (Luftschlucken) monatelang überleben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Pflanzenbestand des Auwaldes steht in enger Beziehung zum Fluss und unterscheidet sich von allen anderen Wäldern. Die flussnahe Weidenau braucht hoch anstehendes Grundwasser und verträgt häufige und lang anhaltende Überschwemmungen. Etwas höher und weiter weg vom Fluss schließen die Hartholzauenwälder mit Stieleichen, Ulmen und Eschen an. Vor allem alte Eichen sind Brennpunkte der Artenvielfalt. In ihrer grobrissigen Borke finden zahlreiche seltene Insekten und Vögel Nahrungs- und Lebensraum. Der Mittelspecht, eine seltene stark an Eichen gebundene Art, hat an der Grenzmur eines der bedeutendsten Vorkommen Österreichs. In verlassenen Spechthöhlen finden Fledermäuse ihr Winterquartier. Entgegengesetzt zum guten Alteichenbestand gibt es seit mehreren Jahrzehnten fast gar keine Eichenverjüngung. Diesem Problem wird durch eine Kooperation zwischen Waldbauern und Gebietsbetreuung im Rahmen eines Eichenförderprojektes begegnet. In weiteren Artenschutzprojekten werden dem Eisvogel künstliche Brutwände geboten bzw. Kunsthorste für den Schwarzstorch errichtet.

 

 

Anlage eines Eichenverjüngungsfeldes

Der Mittelspecht braucht alte Eichen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eisvogel (Foto: Alois Absänger)

Michael Wirtitsch und Michael Tiefenabch mit Eisvogelbrutwand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Bereich der Grenzmur findet man über 40 Fischarten. Vierzehn davon (z.B. Huchen, Strömer, Frauennerfling) sind europaweit geschützt. Diese außergewöhnlich hohe Artenvielfalt rührt daher, dass die Fische über Donau, Drau und Mur über 1200 km flussaufwärts wandern können (es gibt zwischen rumänischer Grenze und Spielfeld kein Kraftwerk).  Wegen seines außergewöhnlichen Fischbestandes wurde auch der Gamlitzbach von Gamlitz bis zu seiner Mündung in die Mur, unterhalb der Kraftwerksmauer Spielfeld, als Teil des Europaschutzgebietes verordnet. Hier findet man die für die Steiermark ausgestorben geglaubte Hundsbarbe (auch Semling genannt) sowie Bachneunaugen, die eigentlich nicht zu den Fischen sondern zu Rundmäulern zählen.

Der Gnasbach, ein vom Bezirk Feldbach her kommender Murzubringer, ist vor allem wegen der Flussmuschel Teil des Europaschutzgebietes. Hier fand man einige bedeutende Vorkommen dieser an sandig kiesiges Substrat gebundenen Art.

 

Der Streber, ein Fisch aus der Familie der Barsche, legt seine klebrigen Eier in die Lücken von Kiesbänken (Foto: Mag. Wolfgang Gessl)

1.200 km kraftwerksfreie Fließstrecke ermöglicht Fischwanderung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gerade am Beispiel der Fischwelt zeigen sich aber auch die negativen Auswirkungen der Murregulierung. Im engen, hart verbauten Gewässerbett finden die Fische, die mehrere hundert Kilometer flussaufwärts wanderten, keine geeigneten Strukturen zum Laichen. Durch die Eintiefung der Mur um mehr als zwei Meter sind auch die Zubringerbäche nur mehr erschwert erreichbar. Mit dem Absinken des Flusses sinkt auch das Grundwasser und sowohl der Auwald als auch die umliegenden Ackerflächen werden immer trockener.

Ursache für die Eintiefung der Mur und das damit verbundene Absinken des Grundwasserspiegels ist die hohe Fließgeschwindigkeit in dem eng regulierten Flussbett. Das führt zum Abtragen des Schotters in der Flusssohle. Die Kraftwerke im Oberlauf verhindern den Schotternachschub aus dem Gebirge. Das zwischen der Steirischen Wasserwirtschaft und Slowenien beschlossene Konzept der Muraufweitungen wirkt beiden Problemen entgegen. Durch die Entfernung der Uferbefestigung in den Bereichen der Aufweitung kann der Fluss nun die Arbeit übernehmen und sich bei jedem Hochwasser ein breiteres Gewässerbett graben. Dadurch wird der Fluss langsamer. Den fehlenden Schotter holt er sich aus dem eigenen Ufer und verteilt ihn in den Tiefstellen des Flusslaufes. In Gosdorf wurde die erste große Aufweitung auf 1 km Länge fertig gestellt. Weitere Projekte auf slowenischer und steirischer Seite werden bis 2013 umgesetzt (mit 85% Kofinanzierung durch die EU).

 

Muraufweitung Gosdorf

Natürliche Uferstrukturen bieten Brutraum für die Uferschwalbe (Foto: Florian Keferböck)