Natura 2000 – Steiermark

Webseite der Gebietsbetreuer der steirischen Europaschutzgebiete

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Nr. 14 Teile des südoststeirischen Hügellandes inklusive Höll und Grabenlandbäche

Größe: 15.653,2 ha

Bezirke des Natura 2000-Gebietes: Südoststeiermark

Gemeinden des Natura 2000-Gebietes: Gnas, Bad Gleichenberg, Feldbach, Kapfenstein, St. Anna am Aigen, Straden, Deutsch Goritz, Halbenrain, Tieschen, Klöch, Fehring

 

Willkommen im artenreichen Südosten der Steiermark. Das günstige Klima läßt hier nicht nur Wein und Mais wachsen, es lebt hier eine der artenreichsten Lebensgemeinschaften Österreichs auf engem Raum. Im Europaschutzzentrum im Gemeindeamt Stainz bei Straden können sie jederzeit eine Führung durch die Flur der Grabenlandbäche und Vulkanberge buchen. Ob sie nun artenreiche Wiesen, Wälder oder Gewässer erleben wollen, die Kulinarik der Region geniesen möchten oder Fotos von seltenen Vogelarten machen möchten, kommen sie bei uns vorbei und informieren sie sich an der Quelle im Büro des Blaurackenvereines in Stainz/Straden 80!

 

Gleichenberge

Gleichenberge

Berghölzer

Berghölzer

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Europaschutzgebiet umfaßt ein Gebiet von 15.600 ha und insgesamt 11 Gemeinden. 1 Bezirk, 11 Gemeindebauhöfe, 3 Straßenmeistereien, 11 Bauhöfe, 2000 Landwirte, ca. 25.000 Einwohner und 33 Jagdpachten  formen diese Kulturlandschaft. Die erste größere Besiedlung fand vor ca 4000 Jahren statt. Es gibt Zeichen für eine bronzezeitliche Stadt auf dem Königsberg bei Tieschen, die schon damals über 1000 Einwohner hatte. Seit es hier Menschen gibt, ist der Wald immer sehr unterschiedlich genutzt worden. Obwohl unsere Wälder zu den artenreichsten in Österreich zählen, weil es sich um fast reine Laubwälder (großteils Buchenwälder und Eichenmischwälder) handelt, hatten sie in den letzten Jahrzehnten nie wirklich große Bedeutung für die Einheimischen. Auch heute werden nur geringe Waldflächen wirklich intensiv genutzt.

 

Hat man noch bis in das 19. Jahrhundert die Tiere in den Wald getrieben und bis in die 80er Jahre des 20. Jhdt Streunutzung betrieben (Entfernen der Waldstreu als Einstreu in den Stall zur Düngervermehrung) so überläßt man seit ca. 30 Jahren den Wald großteils sich selbst. Die Folge ist ein überalterter Kulturmischwald mit vielen Naturwaldarten, wie den Schwarzspecht, Halsbandschnäpper, Mittelspecht, Wespenbussard oder Grauspecht.

 

Blauracke

Blauracke

Schwarzspecht

Schwarzspecht

 

 

 

 

 

 

 

 

In den Tallage findet man noch Waldreste der Harten Aue und Übergänge zum Eichen-Hainbuchen-Hangwald, bzw. zum Buchenmischwald und zu reinen Buchenbeständen. Oft sind diese Wälder noch richtige Feuchtgebiete, wie z. B.: in der Region von Radochen und Karla. Hier findet man seltene Geophyten und Orchideen, neben Wasserschwertlilien und Binsengewächsen.

Entlang des Sulzbaches, der von Bad Gleichenberg nach Süden zur Mur entwässert begleiten immer wieder kleine Erlenbestände in den Talbreiten die Ufergalerie des Gewässers. Diese sind zusammen mit den heutigen Vorflutern Reste von Wiesenbächen vergangener Zeiten. In den frühen Jahren des 19. Jhdt. haben Mönche des Gleichenberger Klosters den Sulzbach regulieren lassen. Trotzdem war der Talboden immer feucht. Zahlreiche Mühlen haben das Wasser ausgeleitet und genutzt und dadurch den Grundwasserstand immer hoch gehalten. Die Maulwurfsgrille ist ein typisches Insekt dieser feuchten Böden. Von ihr profitiert auch die Blauracke in ihrem letzten deutschsprachigen Brutgebiet und der Wiedehopf, der hier abhängig von den Mittelmeerbeständen einmal häufiger, einmal seltener vorkommt.

 

Äskulapnatter

Ringelnatter

Wiedehopf

Wiedehopf

 

 

 

 

 

 

 

 

Je weiter Richtung Mur wir kommen, desto üppiger blühen die Wiesen im Frühjahr. Der Frühlingskrokus und die Sternnarzisse sind charakteristisch für die Talmähwiesen. Auf den Hängen finden wir ebenfalls artenreiche Wiesen einer Mähwiesengesellschaft. Kalk-Halbtrockenrasen und ihre Verbuschungsgesellschaften gehören hier zu den Besonderheiten. Mit einem Tutch von Illyrikum und Pannonikum zählen sie wohl zu den interessantesten, was die Steiermark zu bieten hat. Leider ist die Bewirtschaftung in den Hanglagen nur noch stellenweise aufrecht. Seit Beginn des 20. Jhdt. wurden die Weidetiere in die Stallungen gestellt und mit Heu gefüttert. Erst in den letzten 20 Jahren kommt wieder eine Weidewirtschaft auf. Grund ist, dass die Molkereien sich in die geförderten Regionen der inneralpinen Lagen zurückgezogen haben und hier ein regelrechtes Sterben der Milchbauern stattgefunden hat. Aber einige haben auf Mutterkuhhaltung umgestellt und bewirtschaften nun, unterstützt vom Naturschutz, Weideflächen in den wichtigen Brutgebieten.

 

Halbtrockenrasen

Halbtrockenrasen

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Großteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen nimmt der Maisanbau ein. Daneben gibt es den Steirischen Ölkürbis, die Steirische Käferbohne, den Steirischen Kren, Steirische Saatmaisfelder und gelegentlich etwas Getreide. Sonderkulturen nehmen die Hänge ein. Wein gibt es im gesamten Gebiet. Ein ausgezeichneter Weißwein gedeiht hier und wird von hervorragend ausgebildeten Winzern gekeltert. Andere Produkte unserer Bauern sind Tomaten und Paprika, sowie Salate in Gewächshäusern. Auch Blumen und Kräuter werden für den Großmarkt erzeugt. Obstanlagen und Holunderkulturen findet man ebenfalls regelmäßig. Die Streuobstgärten werden etwas stiefmütterlich behandelt, obwohl die Sortenvielfalt groß ist. 70 Sorten von Äpfel und Birnen gibt es noch im gemeinsamen Grenzgebiet mit Slowenien. Daneben wurden Zwetschken und Quitten regelmäßig gepflanzt. Das Schnapsbrennen hat noch Tradition. Ein wesentlicher Bestandteil der alten Kultur sind auch die Kopfweiden und Korbweiden. Ein eigener Verein kümmert sich um die Erhaltung der Korbweidenbestände und um die Verwertung der Weiden. Alle Fotografien stammen von unserem Haus- und Hoffotographen Alois Absenger aus St. Peter am Ottersbach.